Rat: Rede von Ratsherr Friedhelm Mersch vom 18.02.2014

(Es gilt das gesprochene Wort)

Herr Oberbürgermeister,
meine Damen und Herren.

Wenn das stimmt, was in der Zeitung stand, dass nämlich Herr Ketzer gesagt haben soll: “Wenn die Kirchhellener eine Realschule wollen, dann sollen sie es sagen.“, dann kann ich darauf nur antworten:

„Herr Ketzer, haben Sie nicht zugehört? Auch wenn Sie erst seit etwa 8 Jahren in Bottrop tätig sind, sollten Sie mitbekommen haben, dass die FDP mindestens seit 1999, als wir erstmals mit einem Sitz hier vertreten waren, und danach immer wieder diese Realschule für die Kirchhellener Bürger gefordert haben.“

Als Kompromiss wurde dann irgendwann die August-Everding-Realschule gegründet, mit der Aufforderung, die Kirchhellener könnten ja dann dort hingehen.

Herr Ketzer, und das sage ich auch allen anderen hier im Saal, die Auspendler zeigen es Ihnen doch sehr deutlich: Die Kirchhellener Schüler brauchen eine Realschule, und wenn das so nicht geht, dann eben eine Sekundarschule, in der eine gleichwertige Ausbildung und ein gleichwertiger Abschluss möglich sind.

Und wenn das dann eben eine Sekundarschule, nach dem Willen unserer Landesregierung, sein soll, dann bitte schön eine mit kooperativer Ausrichtung.

Und es ist eine Missachtung der Bürger in Kirchhellen, wenn Sie die erste Abstimmung dort so deuten, wie Sie es hier tun. Fast die Hälfte der Angesprochen zeigen Ihnen ihre Ablehnung durch >nicht antworten<. Auf der Straße würde man sagen: „Rutsch mir doch den Buckel runter mit deiner Sch… Schule.“

Das alleine sollte Ihnen schon zu denken geben. Diese Eltern werden ihre Kinder dahin schicken, wo sie es bisher getan haben, nach Gladbeck, Gelsenkirchen, Dorsten oder auch Bottrop eben.

Ja, und dann die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, die eindeutig zur kooperativen Ausrichtung tendiert. Sie können es drehen und wenden, wie Sie wollen. Auch wenn Sie die beiden anderen Summen zusammen zählen, ergibt das, zumindest bisher, keine Mehrheit. Um diese Schule einrichten zu können, müssen Sie schon in ganz Bottrop die Interessenten zusammen karren, damit Sie die geforderten 75 Kinder erreichen. Die Taxidienste werden sich freuen. Auf wessen Kosten wohl?

In Velbert hat es nur 34 Anmeldungen gegeben. In Hamburg hat eine Bürgerinitiative den Ratsbeschluss gestoppt, wo das Gymnasium gekippt werden sollte.

Wir bleiben bei dem Satz: Wir haben keine Einheitskinder und deshalb brauchen wir auch keine Einheitsschule.

Die FDP hält nichts von der Gleichmacherei und wirbt hingegen für ein differenziertes Schulsystem, weil es der Unterschiedlichkeit unserer Kinder besser gerecht wird.

Für die FDP bleibt es heute bei der Entscheidung, weiter für eine kooperative Sekundarschule zu werben, weil sie unseres Erachtens nach , jedenfalls zur Zeit, der einzig gangbare Weg ist, um ein Realschulangebot in Kirchhellen zu schaffen. Und genau das ist die mehrheitliche Forderung in Kirchhellen.

Diese Deutung war im Übrigen zu erwarten, hatte ich doch schon vor Wochen im Sommer im Hauptausschuss darauf hingewiesen, dass es eine Vorentscheidung ist, die Vorbereitungsgruppe von einer Gesamtschulbefürworterin leiten zu lassen. Das erwartete Ergebnis liegt vor uns, das musste ich gar nicht erst lesen.

Ein Wort noch an die Kirchhellener Bürger.

Selbst wenn die Sekundarschule in Kirchhellen nach dem Bürgerwillen und unserer Forderung eingerichtet wird, also mit einer kooperativen Ausrichtung, so haben Sie ja hoffentlich auch gelesen, dass die Befürworter der anderen Ausrichtung davon ausgehen, dass die Schule auch nach der Errichtung noch durch die Schulkonferenz selbst verändert werden kann. Ich wette, nein, Wetten lehne ich ab, ich gehe fest davon aus, dass nach einem, spätestens zwei Jahren, wenn die Erprobungsstufe zu Ende geht, die Schule umgewandelt wird in eine (teil-)integrierte Form.

Und daher ein Rat an Sie, liebe Kirchhellener, liebe Eltern der Kirchhellener Schüler, ich kann Ihnen nur raten, lassen Sie Ihre Finger von der neuen Schule. Melden Sie Ihre Kinder dort an, wo Sie es in der Vergangenheit gemacht haben. Dort wissen Sie, was läuft und was Ihnen da geboten wird.

Ich danke Ihnen.

(Friedhelm Mersch)