Paulschule: Offener Brief an die Bottroper Parteien

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir, die Schulpflegschaft der Paulschule, wenden uns erneut an Sie. Nach ersten positiven Annäherungen zwischen der Paul- und der Rheinbabenschule, um einen guten, gemeinsamen Neuanfang für die neue Grundschule auf dem Eigen zu starten, ist die Standortfrage immer noch offen.

Nach den Erfahrungen des letzten Jahres haben wir oftmals den Eindruck gewonnen, dass trotz guter Argumente für den Erhalt des Standortes der Paulschule, wir leider wenig Gehör gefunden haben. Nach wie vor sind wir der Auffassung, dass der Standort Paulschule aufgrund vielerlei Vorzüge überzeugt.

Uns bleibt nach wie vor unverständlich, dass eine große und gesunde Schule, die nicht wie viele andere Grundschulen Bottrops um ihre Schülerzahl bangen muss, lediglich ihrer Standortnähe zur Willy-Brandt-Gesamtschule zum Opfer fällt. Etliche Kriterien, die für die Schließung anderer Grundschulen angewendet werden, treffen für die Paulschule nicht zu.

Die Schließung bleibt für uns nicht nachvollziehbar, denn die Paulschule

  • ist eine der größten Grundschulen Bottrops
  • stellt räumlich den größten Ganztag in Bottrop
  • hat eine eigene Turnhalle.

Die Paulschule besticht durch ihre zentrale Lage im Eigen, zudem ist sie die Schule, die nach Schließung der Agathaschule und der Albert Schweitzer-Schule die beste Erreichbarkeit für die Grundschüler bietet. Bildungspolitik fängt bei den Kleinsten an, „Kurze Beine, Kurze Wege“ sollte daher kein leeres Wahlversprechen bleiben. Durch längere Schulwege erhöht sich die Anzahl der Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen deutlich, damit natürlich auch die Unfallgefahr vor den Schulen. Warum sollen es die Kleinsten sein, denen längere Schulwege zugemutet werden?

Die Paulschule ist aufgrund ihrer Raumkapazität durchaus in der Lage eine dreizügige Schule zu bilden. Auch dies ist ohne hohen zusätzlichen Aufwand problemlos zu gewährleisten.

Wir empfinden die Darlegung der Vor- und Nachteile beider Schulen als ungleichgewichtig. So liegt in der Beschlussvorlage für den Schulentwicklungsplan der Stadt Bottrop vom 21.03.2013 das Augenmerk hauptsächlich auf den Vorzügen der Rheinbabenschule.

Im Rahmen der Klärung der Aufnahme der Raumsituation beider Schulen wurde für die Rheinbabenschule intensiv nach Lösungen für mögliche Mängel gesucht, wohingegen es bei der Paulschule bei der Zusammenfassung der vorhandenen Kapazitäten blieb. Als Beispiel wurden die Räumlichkeiten des Ganztages der Paulschule außen vor gelassen.

Der Platzbedarf des offenen Ganztags wurde in die Betrachtung nicht einbezogen. Wobei deutlich ist, dass die Paulschule hier eindeutig größere Kapazitäten hat.

Ein weiterer Standortvorteil ist die eigene Turnhalle an der Paulschule. Für die Schüler entfallen die Fahrtzeiten zum Sportunterricht, so dass die ganze Zeit zur Unterrichtsgestaltung genutzt werden kann. Dass durch die Fahrt zur Turnhalle weitere Kosten entstehen, versteht sich von selbst. Die Turnhalle vor Ort ermöglicht einzelne Sportstunden, die gerade den Schulanfängern einen durch Bewegung aufgelockerten Unterricht ermöglichen.

Uns stellt sich jedoch die Frage, ob in der Betrachtung der Gesamtsituation die große Turnhalle der Paulschule ihr zum Nachteil gereicht. Es macht stutzig, dass die hohe Priorität der Erweiterung der Turnhalle der Willy-Brandt-Gesamtschule nicht mehr aktuell zu sein scheint. An dieser Stelle sei erlaubt zu fragen, ob die Einsparung der Erweiterung etwas mit der möglichen Entscheidung gegen den Standort Paulschule zu tun hat?

Des Weiteren erklärt sich uns nicht, dass alle Bottroper Schulen unter dem Rückgang der Schülerzahlen leiden, die Willy-Brandt-Gesamtschule hingegen von diesem demographischen Wandel ausgenommen scheint. Der zweiten großen Gesamtschule, Janusz-Korczak-Gesamtschule, wurden aus Schülermangel weitere Züge gestrichen. Erhebliche Aufnahmekapazitäten werden somit nicht genutzt und verschenkt. Bei gleichmäßiger Auslastung beider Gesamtschulen entstünde kein Platzmangel an der Willy- Brandt- Gesamtschule. Offensichtlich gibt es in Bottrop keinen Mangel an Gesamtschulplätzen, trotzdem ist dies der einzig stichhaltige Grund für die Aufgabe des Standortes Paulschule. Warum kapituliert die Verwaltung vor dem Auslastungsproblem der vorhandenen Gesamtschulen?

Bei unserem Anliegen, den Standort Paulschule für die Grundschule auf dem Eigen zu nutzen, werden wir ausdrücklich vom SPD Ortsverein Eigen unterstützt.

Gerne würden wir unser Anliegen in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen erläutern. Uns fehlt bis zum heutigen Tage die schlüssige Argumentation, bei der man nicht den Eindruck gewinnt, dass lediglich die Interessen einer Schulform berücksichtigt werden.

In Vertretung für die Schulpflegschaft der Paulschule

Michaela Baron & Andreas Gellhaus