Infostand: Bürger bestätigen FDP-Position

[27.10.12] Trotz klirrender Kälte haben die Bottrop Liberalen einen Infostand am Altmarkt durchgeführt. Ziel war es, die Bürger über den Sachstand der aktuellen Schulentwicklungsplanung zu informieren und ein Meinungsbild hierzu einzuholen. Hierbei haben die Bürger die Position der FDP klar bestätigt: mit großer Mehrheit sprechen sich die Bürger für die Beibehaltung des differenzierte Schulsystems aus. Natürlich ist dies keine repräsentative Umfrage. Dennoch sollte das Ergebnis in seiner Klarheit – auch mit Blick auf die deutlichen Ergebnisse der Bürgerentscheide in anderen Städten – für alle Anlass genug sein, noch einmal gründlich die eigenen Positionen zu überdenken. Eine Politik gegen den Bürgerwillen darf es nicht geben. Erste Signale aus den anderen Parteien zeigen, dass bereits etwas in Bewegung geraten ist.

Umfrageergebnis
Ioannis Giotis (Vorsitzender JuLis) und Andreas Bucksteeg (Vorsitzender FDP) mit Umfrageergebnis

Zahlreiche interessante Gespräche ergaben sich, gerade auch mit Andersdenkenden, auch wenn erfreulicherweise die große Mehrheit uns den Rücken gestärkt hat.

Eltern und Lehrer berichteten von Aktionen, die an den betroffenen Schulen entstehen und in Planung sind. In anderen Städten setzen sich derzeit Eltern und Lehrer mit Bürgerentscheiden erfolgreich zur Wehr gegen eine von oben verordnete Schulpolitik. Dies wird hier aufmerksam verfolgt. Uns wurde mitgeteilt, dass bereits an Bottroper Grundschulen Flyer von Realschulen aus Dorsten und Gladbeck ausgelegt wurden. Es ist offensichtlich, dass es Bottrop schadet, wenn hier unnötig das vielfältige differenzierte Schulsystem und die dort geleistete Arbeit durch Einheitsschulen in Frage gestellt wird.

In einer Frage, die so wichtig für die Zukunft unserer Stadt ist, muss es einen breiten, ergebnisoffenen gesellschaftlichen Diskurs vor der Entscheidung geben, mit dem Ziel das beste für alle unsere Kinder zu erreichen. Zu diesem Diskurs haben wir mit dem Infostand ein wenig beigetragen.

Die FDP-Bottrop will dabei das über viele Jahrzehnte bewährte Schulsystem, mit dem Deutschland erfolgreich geworden ist, grundsätzlich erhalten. Daher setzen wir uns für den Erhalt der differenzierten Schulformen Gymnasium, Realschule und Hauptschule ein und wollen diese besser machen und Fehlentwicklungen korrigieren.

Auslöser der aktuellen Diskussion ist ein deutlicher Rückgang der Schülerzahlen. Vor dem Hintergrund der Überschuldung können wir uns leere Schulen nicht leisten. Schmerzhaften quantitativen Anpassungen im bestehenden System wollen wir uns nicht verschließen. Dies zwingt aber nicht zu einem grundlegenden Systemwechsel zur Einheitsschule.

Es gibt viele gute Gründe für ein differenziertes Schulsystem. Wir haben keine Einheitskinder und brauchen daher auch keine Einheitsschulen. Die Anforderungen an einen Lehrer in der Hauptschule Welheim sind ganz andere, als an einen Lehrer an der Marie-Curie-Realschule. Erst die Differenzierung in Haupt- und Realschule ermöglicht auch eine differenziertere Lehreraus- und fortbildung, die individuell auf die unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Kinder eingeht. Wenn beklagt wird, dass heute schon zu wenig Mittel für die Lehrerfortbildung bereitgestellt werden, muss man sich fragen, wie dann Sekundarschullehrer die pädagogischen Fortbildungen von sowohl Haupt- als auch Realschullehrern erhalten sollen. Mit der Sekundarschule geht die Spezialisierung verloren. Wir wollen, dass jedes Kind so viel Bildung in der Schule mitbekommt, wie möglich. Und dies ist am besten mit Differenzierung erreichbar. Daher wollen wir unser Schulsystem erhalten.

In den letzten Jahrzehnten hat es unbestreitbar Fehlentwicklungen gegeben, die korrigiert werden müssen. Der Ruf der Hauptschule muss aufgebessert werden. Das systematische Kürzen der Mittel für die Hauptschule seit Jahrzehnten durch rot-grün hat zu einem Ausbluten dieser Schulform beigetragen und die Hauptschulen in Verruf gebracht. Hier müssen wir gegensteuern. Es ist zu überlegen, gerade hier Ganztagsangebote zu schaffen. Weiterhin müssen wir im Interesse der Kinder sicherstellen, dass hier geborene Kinder vor Schulbeginn, die nötige Sprachkompetenz erhalten, um in der Schule mitzukommen. Wir müssen die ortsansässigen Unternehmen frühzeitig ins Boot holen, um den Hauptschülern berufliche Perspektiven zu eröffnen. Weiterhin müssen wir unser Schulsystem durchlässiger machen, auch mit Verbundschulen [ →hier]. Wir müssen den zweiten Bildungsweg stärken. Es muss normal sein und systematisch unterstützt werden, nach einem guten Hauptschulabschluss, den Realschulabschluss und weitergehende Abschlüsse zu machen. Auch hier bietet der Ganztagsunterricht Chancen.

Wir sollten unser System besser machen und nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten.

Die WAZ berichtet dazu: