FDP zum Gutachten der Stadtverwaltung

(25.06.2012) Die FDP hat sich im Interesse der Lebenschancen unserer Kinder immer für ein leistungsfähiges, differenziertes Schulsystem [ → Gründe für Differenzierung] ausgesprochen, zuletzt im übrigen bei der jüngsten Landtagswahl. Im vorliegenden Gutachten zur Schulentwicklung der Stadt Bottrop wird nun empfohlen, alle Haupt- und Realschulen abzuschaffen und durch Sekundarschulen (= kleine Gesamtschulen)  SchulgesetzNRW] zu ersetzen. Damit laufen diese Empfehlungen unserer Vorstellung von „Schulen besser machen und nicht gleicher.“ [ FDP NRW] grundlegend zuwider. Wir wollen die Schulformen „Gymnasium“ und „Realschule“ erhalten, im übrigen auch die Gesamtschule, da genügend Eltern und Schüler dies wollen.

Grundlage für die kommunale Entscheidung zur Schulentwicklung muss nach Landesrecht der Elternwille sein. Ein Elternwille zur Sekundarschule ist weder aus dem vorliegenden Gutachten der Firma biregio [ → Ratsinformationssystem Bottrop] noch aus der dem zu Grunde liegenden Elternbefragung zu erkennen! Die Art der Befragung ist suggestiv und untauglich zur Erkundung des Elternwillens. Denn man hat nicht zugleich nach der Realschule gefragt, so dass aus der Fragestellung gar nicht erkennbar ist, ob die Eltern ihre Kinder lieber auf die Sekundar- oder auf die Realschule senden wollen. Das aber ist doch der Kern der Entscheidung. Man hätte fragen müssen, auf welche der verfügbaren bzw. geplanten Schulformen (Gymnasium, Realschule, Hauptschule, Sekundarschule, Gesamtschule) gedenken Sie ihr Kind zu senden? Dass man dies nicht getan hat und nun äußerst fragwürdige Schlüsse über die Realschule zieht, lässt nur eine Folgerung zu: man fürchtet sich vor dem wahren Elternwillen. Aus Stuttgart 21 wurde nichts gelernt, denn mit Transparenz und Teilhabe hat dieses Vorgehen nichts zu tun.

Bei dem Ergebnis der Befragung ist bezeichnend, dass 82% (!) der Eltern offen ausdrücken, dass sie gar nicht wissen bzw. nicht so gut wissen, was eine Sekundarschule ist. Daher hätte erst eine grundlegende Information erfolgen müssen und dann die Befragung, bevor man die Axt an das gesamte System anlegt. Angesichts so weitreichender Entscheidungen muss eine bessere Datengrundlage her. Wir fordern die Stadt auf, hier dringend nachzubessern.

Fazit: diese Elternbefragung und damit das Gutachten reichen als Basis für derart weitreichende Entscheidungen nicht aus. Wir brauchen Transparenz und Klarheit schon bei der Fragestellung und fordern die Stadt auf, hier nachzubessern. Die anderen Parteien scheinen sich durch den Schulkonsens zwar weitgehend einig zu sein. Eine Abschaffung der Realschule und eine Gefährdung der Gymnasien aus rein ideologischen Gründen trägt die FDP hingegen nicht mit.

Weil diese Entscheidung von großer Bedeutung für die Zukunft unserer Kinder und unserer Stadt ist, bitten wir Sie, als Bürger dieser Stadt selbst aktiv zu werden. Überlassen Sie dieses wichtige Thema nicht allein der herrschenden Kommunalpolitik. Informieren Sie sich. Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Bringen Sie sich ein. Wenn Sie mit uns gegen Gleichmacherei in Einheitsschulen und für den Erhalt von Haupt-, Realschulen und Gymnasien sind, unterstützen Sie uns. Kommen Sie auf uns zu. Wir wollen alle diejenigen Menschen zusammen bringen, denen an der Leistungsfähigkeit unseres Schulsystems gelegen ist, aus Überzeugung in der Sache und unabhängig von der parteipolitischen Präferenz.

Links:

  • FDP zu Grundschulen [ hier]
  • Ratsinformationssystem Bottrop: Gutachten [ hier]