Ziele liberaler Bildungspolitik

Ein Kahlschlag droht bei den bevorstehenden Entscheidungen zur Bottroper Schulentwicklung, mit weitreichenden Konsequenzen für die Lebenschancen unserer Kinder. Im Zuge des sog. „Schulkonsenses NRW“ von SPD, CDU und Grünen steht die Abschaffung unseres bisherigen Schulsystems zur Diskussion, so dass es demnach nur noch Gesamtschulen und vorerst das Gymnasium geben wird. Der Weg zur Einheitsschule ist damit vorgezeichnet. Sicherlich geben deutlich rückläufige Schülerzahlen Anlass zu Anpassungen in der Schullandschaft. Sie sind jedoch keine Rechtfertigung, sich gleich vom ganzen Schulsystem zu verabschieden.

Wir haben bisher informiert über die Geschehnisse und Überlegungen zur Schulpolitik  in Bottrop und wie die FDP dazu steht. Nachfolgend wollen wir nun erläutern, warum wir uns gegen Einheitsschulen und für unser differenziertes und leistungsorientiertes Schulsystem engagieren.

Was sind die Ziele liberaler Bildungspolitik?

Wir Liberale wollen, dass das Schulsystem unseren Kindern dabei hilft, sich zu freien, selbstständigen und mündigen Menschen zu entwickeln und sich nach ihren individuellen Fähigkeiten und Neigungen frei zu entfalten. Hierzu zählt auch, Verantwortung für sich selbst und die Gesellschaft zu übernehmen.

Mit Blick auf die in Bottrop zu treffenden Entscheidungen blenden wir an dieser Stelle viele weitere für uns wichtige Aspekte der Bildungspolitik aus, die unabhängig vom jeweiligen Schulsystem realisiert werden könnten. Wir wollen uns im Interesse der Entscheidungsfindung auf Aspekte konzentrieren, die für die anstehende Entscheidung zwar von besonderer Bedeutung, aber in der aktuellen Diskussion unterrepräsentiert sind:

Zu einem freien selbstbestimmten Leben gehört für uns – neben vielem anderen – auch, die materiellen Grundlagen der eigenen Existenz selbst erwirtschaften zu können. Bildung muss dazu befähigen, damit die Lebensperspektiven unserer Kinder sich zukünftig nicht verschlechtern.

Wie ist die aktuelle Lage in Deutschland und was bedeutet sie für die Bildungspolitik in Bottrop?

Die Fragen, die wir stellen müssen, sind:

  • Wie wollen wir unseren im weltweiten und historischen Vergleich hohen Lebensstandard, im Zuge der Globalisierung und des wachsenden internationalen Wettbewerbs weiterhin für unsere Kinder sichern?
  • Wie wollen wir vor diesem Hintergrund unser Sozialsystem erhalten, ohne dass sich unser Staat überschuldet?
  • Wie wollen wir angesichts des internationalen Wettbewerbs gesellschaftlichen Aufstieg ermöglichen?
  • Was kann Bildung dazu beitragen?

Deutschland verfügt über keine nennenswerten Rohstoffe, wie Öl, das wir verkaufen könnten, um damit Sozialausgaben und den Lebensunterhalt unserer Kinder zu finanzieren. Unser einziger Rohstoff ist Wissen, und zwar Wissen, das unsere Produkte wettbewerbsfähig macht.

Deutschland ist heute eine Exportnation. Unsere Produkte müssen auf dem Weltmarkt aber auch auf dem offenen heimischen Binnenmarkt konkurrenzfähig bleiben, damit unsere Kinder auch weiterhin Erwerbschancen in Deutschland finden und davon leben können. Was passiert, wenn Wettbewerbsfähigkeit fehlt, sieht man derzeit z.B. in Griechenland. Der Wettbewerbsdruck z.B. aus Asien nimmt zu und setzt unsere Arbeitsplätze und den europäischen Lebens – und Sozialstandard unter Druck. Jüngstes Beispiel ist die deutsche Solarindustrie die angesichts der um 2/3 günstigeren Konkurrenz aus Fernost mit ihren Jobs derzeit unter die Räder gerät. Das können wir nicht verhindern. So platzen Zukunftsträume an ökonomischen Realitäten, die besser nicht ignoriert werden sollten. Wenn wir unsere Wettbewerbsfähigkeit nicht erhalten, werden wir langfristig massenhaft Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und damit die finanziellen Grundlagen unseres Sozialstaates verlieren. Wir sollten uns nicht täuschen, angesichts des momentanen erfreulichen Rückgangs der Arbeitslosigkeit in Deutschland. Denn Deutschland hat mit Unterstützung aller politischen Kräfte – auch der Gewerkschaften – im letzten Jahrzehnt bereits seine Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu vielen europäischen Nachbarn ein wenig erhöht. Dennoch werden auch wir am Erhalt unserer Wettbewerbsfähigkeit weiter arbeiten müssen. [ Zukunftsentwicklungen]

Es gibt zwei Möglichkeiten, sich dieser Herausforderung zu stellen. Entweder wir werden billiger oder wir werden besser. Billiger wollen und können wir in der Regel nicht werden, zumindest nicht bei den Lohnkosten. Beim Lohnniveau werden wir etwa mit Asien nicht mithalten. Deshalb bleibt uns nur die andere Möglichkeit übrig: unsere Produkte müssen besser sein. Und das erfordert gutausgebildete Ingenieure und Facharbeiter, innovative Wissenschaftler und Forscher, hervorragende Pädagogen und optimal ausgebildete Menschen in allen Berufen. Daraus leitet sich für uns ab, dass unser Bildungssystem leistungsorientiert sein muss. Dasjenige Bildungssystem ist folglich für die Menschen besser, das durch individuelles Fördern und Fordern das Beste aus unseren Kindern macht, und zwar ganz gleich übrigens ob im Gymnasium, der Realschule oder in der Hauptschule.

Lesen Sie weiter:

  • Gründe für ein differenziertes Schulsystem [ →hier]
  • Längeres gemeinsames Lernen? [ →hier]
  • Vorstellungen der Bottroper FDP zur Schulentwicklung [ →hier]
  • Begriffsbestimung „Sekundarschule und Verbundschule“ [ hier]

Links:

  • FDP NRW: Schulen besser machen – nicht gleicher! (LTW Mai 2012) [ hier]
  • Thesen liberaler Bildungspolitik – Beschluss Bundesvorstand (Jan 2012) [ →hier]
  • LI Blog: Deutschland vergrault sein Know-How [ →hier]
  • FNF: Das deutsche Schulsystem am Abgrund oder im Aufschwung? [ →hier]
  • FNF: Bildung und die freie Gesellschaft [ →hier]
  • FNF: Soziale Ungleichheit im deutschen Schulwesen [ →hier]
  • FNF: Kleines Lesebuch der liberalen Bildungspolitik [ →hier]
  • FNF: Die Anwendbarkeit von internationalen Vergleichsstudien
    im Schulbereich [ →hier]